Kann man Argumentation trainieren?

Zuletzt sprach ich mit jemandem über Argumentationstraining und sah in verwunderte Augen: Wie kann man denn Argumentation trainieren, wo man doch in jeder Diskussion ganz andere Argumente braucht?

Man kann ja auch Ballsportarten trainieren, obwohl es im Spiel darum geht auf den Ball, der gerade kommt, zu reagieren. Ein guter Fußballer braucht eine gute Kondition, muss den Ball gut kontrollieren können und schnell auf die aktuelle Situation reagieren.

Und bei einer Diskussion? Da gilt es schnell das Überzeugende an der eigenen Meinung herauszustellen, sie für andere nachvollziehbar zu machen. Es geht darum in der Gegenargumentation die Schwachstelle zu finden, wie ein Fußballer schnell erkennt wo man die Verteidigung des Gegners am besten durchbrechen kann.

Wer regelmäßig trainiert, findet schneller überzeugende Argumente und weiß diese nachvollziehbar aufzubauen. Wer regelmäßig trainiert kann schnell die Schwachstellen der Gegenseite erkennen. Wer regelmäßig trainiert erkennt auch die Schwachstellen der eigenen Argumentation, so kann man seine eigene Argumentation im Vorfeld wasserdicht machen, vor allem aber hilft es die eigene Überzeugung zu finden und zu konkretisieren.

Wer regelmäßig trainiert, dessen Gehirn liefert schneller schlagfertige Antworten, der lässt sich nicht mehr so leicht aus dem Konzept bringen, dem fällt immer noch ein weiteres Argument ein.

Bisher waren das alles Gründe um zu überzeugen. Es geht uns aber selten darum, wie in Schopenhauers eristischen Dialektik „so zu disputiren, daß man Recht behält, also per fas et nefas [mit Recht wie im Unrecht]“, sondern meist darum, die eigenen Ansichten nachvollziehbar darzustellen um dann eine Lösung zu finden, die für alle tragbar ist.

Gerade hier ist es wichtig, nicht nur nach einem Bauchgefühl für oder gegen etwas zu sein, sondern zu erkennen, was und warum man diese oder jene Lösung bevorzugt, was einen an dieser oder jener Lösung behagt und natürlich, was einen selbst überzeugt hat. Wer sich mit Argumentation beschäftigt, lernt die eigene Meinung zu hinterfragen, wie einen Diskussions-Gegner. Das Ergebnis sind begründetete Meinungen, die dadurch für andere nachvollziehbar gemacht werden können.

Ja, man kann Argumentation trainieren und wenn man auf konkrete Situationen schnell und zielsicher reagieren will, dann braucht man auch ein gutes Training.

Diese Trainingsmöglichkeit gibt es jetzt auch bei der Sprachstrategin: an jedem 3. Montag im Monat gibt es zwei Stunden Diskussions- und Moderationstraining.

Wer erst mal verstehen will, wie Argumentation funktioniert, der kann am 12. April in der Sprechstunde in das Thema schnuppern oder am 28. April im Sprechtag intensiv in das Thema eintauchen, üben, verstehen und trainieren.

 

Das Schopenhauer Zitat ist aus:

Schopenhauer, Arthur: Eristische Dialektik oder Die Kunst, Recht zu behalten. In 38 Kunstgriffen dargestellt. Haffmans Verlag 1983, Zürich

Vom Lesen und Vorlesen

Es ist wieder lit.Cologne-Zeit und damit eine gute Gelegenheit sich mal wieder hinter Büchern zu verkriechen – oder doch nicht? Das schöne an der lit.Cologne ist für mich, dass es sehr wenig ums Lesen und sehr viel ums Zuhören geht.

Der Hörbuchsprecher Christian Brückner hat das vorhin im Interview mit WDR2 Moderatorin Cathrin Brackmann seine Berufung zum Hörbuchsprecher beschrieben, als die Aufgabe aus einem Text eine Welt zu schaffen. Ihm Raum zu geben, sich zu entfalten.
Wenn wir die Augen schließen und nur noch hören, wie die fremde Stimme uns die Geschichte erzählt. Wenn wir hören, welche Musik diese Sprache entstehen lässt, dann können wir ganz und gar eintauchen in diese Welt.

Was passiert beim Zuhören? Wenn wir ein Buch lesen, dann brauchen wir unsere Augen um den Text zu erkennen, wir müssen uns merken, welche Zeile wir gerade lesen. Kurz: unsere innere Konstruktion der Buchstaben zu Wörtern und Text nimmt uns einiges der Vorstellungskapazitäten. Das Buch lenkt quasi von sich selber ab.

Wenn wir aber zuhören, können wir alle optischen Reize vernachlässigen und uns ganz auf unsere Vorstellung konzentrieren. Nichts lenkt uns ab.

Statt dessen kommt etwas neues hinzu: die Stimme des Sprechers und damit seine Vorstellungen über die Geschichte, die er liest.

Wenn diese Vorstellung nicht zu meiner passt, wenn mir die Stimme unsympathisch ist, wenn irgendetwas für mich nicht stimmig ist, dann kann ich das Hörbuch nicht hören. Wir können ein Buch auch lesen, wenn die Schrift klein, die Seiten dünn oder mit Kaffeeflecken überhäuft sind, aber ein Hörbuch hören, wenn die Stimme nicht passt – das geht nicht.

Noch schlimmer sind Lesungen von nicht-professionellen Sprechern. Manche Menschen machen aus jedem Text, wenn sie ihn vorlesen, ein Diktat. Das muss nicht sein: Vorlesen kann man lernen. Der erste wesentliche Punkt ist dabei, Kommas zu ignorieren. Wenn Sie einen Satz vor sich sehen, lesen Sie ihn einmal vor, als würden Sie ihn jemandem diktieren und einmal, als würden Sie es jemandem erzählen.

Haben Sie den Unterschied gehört?

Manchmal ist eine Pause bei einem Komma angebracht, manchmal nicht und bei manchen Pausen steht kein Komma.

Bei manchen Fragen geht die Stimme am Ende hoch, aber nicht bei allen.

Wir gehen auch nicht am Ende eines jeden Satzes mit der Stimme nach unten.

Wenn Sie also einen Text schreiben um ihn vorzulesen (z.B. eine Dankesrede), dann schreiben Sie ihn doch einfach so auf, wie Sie ihn sprechen wollen. Setzen Sie Zeichen, wo Sie eine Pause machen wollen und lassen Sie Kommas weg, wenn Sie an der Stelle keine Pause machen wollen. Lesen Sie den Text mindestens einmal laut und hören Sie sich selbst zu:

Ist der Text verständlich, wenn man ihn hört? Oder sind die Sätze zu lang, die Satzkonsturktionen zu verschachtelt, die Zusammenhänge unklar?

Damit Sie den Text entspannt lesen können, ist Schriftgröße 14 und 1,5-facher Zeilenabstand empfehlenswert. Wenn Ihnen das zu groß ist, experimentieren Sie, bis Sie Ihre ideale Größe gefunden haben.

Zurück zur lit.Cologne – Wenn Sie weit vorne sitzen, können Sie eventuell sehen, wie die Sprecher ihre Texte präpariert haben, damit sie sich besser vorlesen lassen. Gutes Vorlesen erfordert eine gute Vorbereitung und viel Training. Talent gehört auch dazu, ist aber nur einer von vielen Faktoren. Christian Brückner hat alles zusammen: Talent, Training, viel Erfahrung und er wird sich sicher auf jede Lesung gut vorbereiten.

Viel Spaß beim Zuhören – Sie sind doch dabei, oder? Hier geht’s zum Programm.

Ich freue mich auf Ihre Kommentare zu Ihren Zuhör- und Vorlese-Erfahrungen 🙂

Wie spricht man über ein Tabu?

Manchmal muss über etwas gesprochen werden, worüber man nicht spricht. Tabus sind fester Bestandteil jeder Kultur und wo das eine aufgehoben wird entsteht ein neues … Tabus gehören dazu.

Aber was sind Tabus?

In meiner Cambridge Enzyklopädie der Sprache habe ich folgendes darüber gefunden:

Das Wort tabu kommt aus dem Tonga und bedeutet soviel wie heilig oder unberührbar. Dieses Wort eignet sich gut zur Beschreibung eines altbekannten Phänomens: jede Kultur hat ihre Handlungen, Gegenstände, Zusammenhänge oder abstrakte Vorstellungen, die als gegeben angenommen werden, über die aber nicht gesprochen werden darf. Dazu gehört häufig Sexualität, das Übernatürliche, Körperausscheidungen und der Tod.

Die Aufzählung steht wirklich genau so in der Enzyklopädie, aber ich sehe hier die Vermischung von zwei verschiedenen Ursachen: Über Übernatürliches kann oft nicht gesprochen werden, weil es für diese Erfahrungen keine Wörter gibt über Sexualität, Körperausscheidungen und Tod will man dagegen nicht reden. Über ein gefluchtes „Scheiße“ habe ich mal gehört „ich würde nicht mal anfassen, was du in den Mund nimmst.“ Darin zeigt sich ein elementarer Bestandteil dieser Tabus – man möchte mit diesen Dingen nicht in Berührung kommen. Sie sind eklig und da der Mund neben dem Sprechen auch für Nahrungsaufnahme zuständig ist, darf nicht mal das Wort ausgesprochen werden.

Zurück zu den heilig unberührbaren Tabus: Neben der Unaussprechlichkeit bestimmter Erfahrungen gibt es auch Tabus um nichts Übersinnliches zu beschwören. Auch das ist heute noch aktuell – würden Sie in ein Schiff steigen, dass Titanic heißt?

Während wir im allgemeinen Sprachgebrauch zwischen dem Wort und dem Bezeichneten unterscheiden sehen wir bei Tabus eine enge Verbindung. Es ist als würde man den Gegenstand selbst berühren. Das kann man daran sehen, dass bestimmte ähnliche Wörter ganz normal benutzt werden, so ist es kein Problem über Kläranlagen zu sprechen – das Wort löst keinen Ekel aus.

Da viele Tabus unser ganz alltägliches Leben betreffen (Sexualität und Körperausscheidungen) entstehen feste Metaphern, die statt dessen benutzt werden können. Das betrifft aber nur Handlungen und Gegenstände, die kein absolutes Tabu sind und über die notwendigerweise gesprochen werden muss. So gibt es (außer beim Arzt) keine Notwendigkeit über Körperausscheidungen zu sprechen, es muss aber möglich sein davon zu sprechen, dass eine Person gestorben ist. Gerade über den Tod gibt es in vielen Sprachen sehr kreative Metaphern, am besten gefällt mir der französische Ausdruck „n’avoir plus mal aux dents“ – keine Zahnschmerzen mehr haben (habe ich ebenfalls in der Cambridge Enzyklopädie der Sprache gefunden). Das deutsche „er/sie ist nicht mehr unter uns“ ist dagegen ein gutes Beispiel um zu zeigen, wie es möglich ist, etwas zu sagen ohne es zu sagen. Ebenso zu finden bei „ich muss mal“ – eine Auslassung mit der alles gesagt sein soll.

 

Wie kann man darüber sprechen?

Ist Auslassung und Metaphern die einzige Möglichkeit über Tabus zu sprechen? Das wäre schrecklich, denn damit lässt sich nichts näher erläutern. Was also tun, wenn man darüber sprechen will? Wenn etwas unbedingt angesprochen werden soll, was aber als Tabu gilt?

Eine Möglichkeit ist es, das Tabu einfach zu ignorieren. Das führt in der Regel zu einer schockierten Reaktion, aber es führt zu einer Reaktion. Ein Tabubruch ist einprägsam. Es kann auch als mutig gesehen werden, sich über die gesellschaftliche Konvention hinwegzusetzen. Man macht denen Mut, die dieses Tabu abschaffen wollen. Die anderen aber, die an dieses Tabu glauben, werden nicht gewillt sein, dem Tabubrecher zuzuhören. Sie hören und sehen den Bruch und verschließen sich dagegen – es ist die einzige Möglichkeit ihr Tabu zu retten und damit einen Teil ihrer Weltanschauung. Niemand lässt sich diese gerne zerstören. Das Tabu zu ignorieren ist also nur angebracht, wenn man die ansprechen will, die es nicht mehr als Tabu sehen (wollen).

Eine bessere Möglichkeit ist es, das Tabu zu akzeptieren, darauf einzugehen, dass es sich ein Tabu ist und sich langsam zum Thema vortasten. Dazu gehört auch, darauf einzugehen, warum man darüber sprechen will, warum es nicht möglich ist, das Tabu zu waren. So kann man die erreichen, für die dieses Thema ein Tabu ist, die, für die es keins mehr ist und die, es nicht mehr tabuisieren wollen.

Wie das in der Praxis aussieht? Bei meinen Streifzügen durch’s Netz habe ich einen Artikel gefunden in dem das vorbildlich umgesetzt wurde: http://ganzgesundsein.wordpress.com/2011/09/09/iiiihh-daruber-spricht-man-doch-nicht/

Unwort des Jahres

Was sind Unwörter?

Jedes Jahr, wenn das Unwort des Jahres gewählt wird, denke ich, dass es keine Unwörter geben kann. Wenn ein Wort verwendet und verstanden wird, wie kann es dann ein Unwort sein?

Aber wenn ich dann höre, welches Wort zum Unwort gewählt wurde, wird mir bewusst was ein Unwort ist.

Es handelt sich um Wörter, die bewusst oder unbewusst Assoziationen wecken, die nicht in der Bedeutung enthalten sind. Es gibt Wörter, die so gewählt werden, dass sie etwas ausdrücken ohne es gesagt zu haben. Im schlimmsten Fall ist es eine Lüge in einem Wort. Nicht durch das was gesagt wird, sondern durch das, was damit nicht gesagt wird.

So auch, beim Unwort des Jahres 2011: Dönermorde

Welcher Döner ist denn da ermordet worden? Es ging ja nicht mal um Döner-Buden-Besitzer oder gilt jeder ausländische Geschäftsmann als Döner-Buden-Besitzer, weil sich manche Menschen nicht vorstellen können, dass auch andere Geschäfte von Nicht-Deutschen betrieben werden?

Oder wie es die Jury ausdrückt:  „Mit der sachlich unangemessenen, folkloristisch-stereotypen Etikettierung einer rechts-
terroristischen Mordserie werden ganze Bevölkerungsgruppen ausgegrenzt und die Opfer selbst in höchstem Maße diskriminiert, indem sie aufgrund ihrer Herkunft auf ein Imbissgericht reduziert werden.“

Interessant finde ich aber auch das weitere Unwort, dass die Juri in ihrer Pressemeldung nennt: Gutmensch

Gutmensch ist ein sehr gutes Beispiel für die oben erwähnte Begründung eines Unwortes, als ein Wort mit dem bewusst etwas gesagt wird, ohne es zu sagen. Gutmensch ist ein raffiniertes Schimpfwort mit dem eindeutig jemand oder eine Gruppe von Menschen beleidigt wird. Statt ihre Argumente zu widerlegen, wird die Haltung als Naiv betitelt. Um sich dabei den Schein einer offenen Diskussionskultur zu geben, wird diese Beleidigung so positiv formuliert, dass kaum dagegen vorzugehen ist. Gutmensch ist die Lüge in einem Wort, weil die wortwörtlich gemeinte Beschreibung durch die assoziative Bedeutung erst ihr wahres Gesicht zeigt. Wer eine andere Meinung als Naiv darstellen will, sollte zumindest den Mut haben, das auch so zu benennen oder besser: auf die Argumente eingehen und wenn sich dort gravierende Lücken finden, so kann man diese bennenen und diskuttieren.

Wie auch die Dönermorde, ist Gutmensch kein Wort, dass 2011 erfunden wurde:

„Der Ausdruck [Gutmensch] wird zwar schon seit 20 Jahren in der hier gerügten Weise benutzt. Im Jahr 2011 ist er
aber in unterschiedlichen gesellschaftspolitischen Kontexten einflussreich geworden und hat somit sein Diffamierungspotential als Kampfbegriff gegen Andersdenkende verstärkt entfaltet.“

Das selbe (nur mit anderen Zeitangaben) lässt sich auch über Dönermorde sagen. Es geht bei beiden nicht um ein Wort, dass ein Politiker in einer Rede einmal unglücklich zur Bezeichnung von einem neuen Gesetz oder ähnliches verwendet. Es sind Wörter die sich entwickelt haben. Gerade deshalb ist es gut, dass solche Wörter Unwörter geworden sind. Die Jury ist nicht (nur) dafür da, Politikern zu zeigen, wie beleidigend sie an der ein oder anderen Stelle kommunizieren, wie dreist und unglaubwürdig ihre Verschleierungswörter sind etc. Die Wahl der Unwörter in diesem Jahr zeigt, dass wir alle unpassende Wörter verwenden, dass wir alle eine Sensibilität brauchen um nicht zu beleidigen.

Wenn diese beleidigenden Wörter akzeptiert werden, was sagt das über die Werte und Meinungen unserer Gesellschaft aus?

 

Hier der Link zur Seite der Jury: http://www.unwortdesjahres.net/

wortwörtlich – was gesagt, was gemeint und was verstanden wird

In der ganzen Mailbox-Geschichte von Bundespräsident Christian Wulff ist die Geschichte mit der juristisch korrekt beantworteten Frage nach Geschäftsbeziehungen zu bestimmten Unternehmern in den Hintergrund gerückt worden, aber auch die Mailbox-Geschichte scheint sich in eine ähnliche Richtung zu entwickeln. Da wurde etwas gesagt (in dem Fall sogar aufgezeichnet) aber was wurde gemeint und was wurde verstanden?

Dazwischen können Welten liegen …

Aber wie kann man sagen, was man gemeint hat und sicherstellen, dass es auch so verstanden wurde?

Man könnte versuchen alles wortwörtlich zu nehmen und sich immer darauf berufen, was konkret gesagt wurde, aber was bedeutet ein Wort? Grundsätzlich steht im Wörterbuch, was ein Wort bedeutet, aber auch da gibt es oft mehrere Deutungen, denn die Sprache ist keine exakte Bezeichnungslehre. Wörter sind Symbole, Zeichen, die für etwas stehen. Das, wofür sie stehen, ist nicht festgelegt. Unsere Sprache bestimmt sich nicht durch Wörterbücher, sondern die Wörterbücher versuchen unsere Bedeutungen festzuhalten. Wortbedeutungen können je nach Zusammenhang schwanken und je nach Person.

An der Affäre Wulff wird offensichtlich, dass wir wissen: es geht nicht darum was gesagt wurde, sondern was gemeint wurde. Man kann lügen auch wenn man wortwörtlich alles richtig gesagt hat. Es geht bei Kommunikation nicht um exakte Beschreibungen im Sinne der Mathematik die für alle in gleicher Weise verständlich sind, sondern darum Verständigung zu erreichen.

Verständigung kann nur erreicht werden, wenn wir bereit sind unsere Gesprächspartner zu verstehen. Das ist die Vorraussetzung um verstanden zu werden.

Jedes gesprochene Wort hat zwei Bedeutungen: diejenige des Sprechers und die des Hörers. Sogesehen ist es unerheblich, was Christian Wulff auf die Mailbox gesprochen hat – wir wissen, wenn wir seiner Aussage vertrauen, was er gemeint hat und wir wissen, wie es verstanden wurde. Das es dazwischen Unterschiede gibt ist nicht verwunderlich, aber da die Unterschiede recht groß sind und Christian Wulff schon einmal versucht hat sich zwischen gesagt und gemeint davon zu schleichen …

Man kann wohl sicher sagen, dass zwischen dem Bundespräsident und dem Chefredakteur keine Verständigung statt gefunden hat und ich würde auch gerne den Original-Mailbox-Text hören oder lesen um mir selbst eine Meinung darüber bilden zu können.

Was gesagt wurde wurde gesagt, was gemeint wurde, weiß nur der Sprecher selbst.

Verstehen und verstanden werden

Wollen Sie nur reden oder wollen Sie verstanden werden?

Viele denken bei Rhetorik nur an’s bessere Reden, aber wer verstanden werden will muss verstehen können.  Im Januar geht es daher in der Sprechstunden und am Sprechtag um’s „Verstehen und verstanden werden.

Sprechstunde – verstehen und verstanden werden

Ein Einblick in die Mechanismen der Kommunikation, warum es mal funktioniert und mal nicht …

Wann: 10. Januar 2012, ab 19 Uhr

Wo: Köln Sülz, krone webdesign, Berrenrather Straße 342, 50937 Köln

Preis: 15 Euro inkl. einem Glas Sekt und Knabbereien

Anmeldung bis 5. Januar über info@die-sprachstrategin.de oder 0221 20 424 750

 

Sprechtag – verstehen und verstanden werden

Erleben Sie Rhetorik von der anderen Seite. In diesem Tagesseminar lernen Sie zwischen gesagt und gemeint zu unterscheiden, Sie verstehen wie Kommunikation funktioniert, woran man Verstehen erkennen kann und wie man dieses Verständnis überprüfen kann. Ein Sprechtag zum lernen und ausprobieren, austauschen und trainieren damit Sie besser verstehen und verstanden werden.

Wann: 21. Januar 2012, 10 – 13 Uhr und 14 – 17 Uhr

Wo: Karl-Rahner-Akademie, Jabachstraße 4-8, Köln – Nähe Neumarkt

Preis: 135 Euro (10% Rabatt bei Besuch einer Sprechstunde)

Anmeldung bis 12. Januar über info@die-sprachstrategin.de oder 0221 20 424 750

Wer den Weg nicht kennt spricht gerne über seinen Kompass

Metaphern sind eine wunderbare Sache, sie ermöglichen uns über etwas zu sprechen, dass wir sonst nicht in Worte fassen können.

Metaphern können aber auch mißbraucht werden, um den Inhalt einer Rede zu vernebeln. Dabei werden gerne Bilder verwendet, die dort, wo der Inhalt fehlt ein Gefühl erzeugen. So sprechen Manager in dunklen Zeiten gerne von den „Leuchttürmen“ die sie demnächst setzen wollen. Während die inhaltliche Überzeugung dazu führt, dass die Zuhörer selbst erkennen, dass nun dies oder das so oder so zu bewerten ist, wird durch diese bildhafte Sprache ein Gefühl erzeugt, dass häufig darüber hinwegtäuschen soll, dass genau das nicht vorhanden ist.

Wenn man unter diesem Gesichtspunkt, die Rede von Angela Merkel auf dem Parteitag der CDU in Leipzig betrachtet, fällt vor allem eins auf: „Wir haben einen Kompass.“

oder wie die Heute-Show zusammengeschnitten hat: „Kompass, Kompass, Kompass, Kompass, Kompass, Kompass …“

[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=GYvP4EOebpY]

ab 14:12

Warum verwendet jemand so oft das Bild eines Kompasses?

Eine mögliche Erklärung: Genau dieses Bild zeigt auf einfache verständliche Weise worum es geht. Da politische Ideen oft sehr abstrakt sind, sind Metaphern notwendig um es verständlich zu machen.

Eine andere Erklärung: Die wiederholte Verwendung einer bestimmten Metapher oder eines Beispiels hilft den Zuhörern in einer langen Rede (die Parteitagsrede von Angela Merkel war über eine Stunde lang) geistig mitzugehen.

Eine dritte Erklärung: Wer so viele Kurswechsel hinter sich hat, wie die CDU in den letzten Monaten, sollte den Eindruck erwecken, dass man durchaus noch weiß wo es hingeht. Ein Kompass eignet sich daher gut als Metapher für den inneren Kurs, den man trotz vieler scheinbarer Kurven nicht verlassen hat. Er eignet sich aber auch um davon abzulenken, dass man den inneren Kurs verloren hat und sich nur noch vom Wind treiben lässt. Ob diese Erklärung zutrifft, kann man am Rest der Rede erkennen:

  • Wird das Bild genutzt um etwas zu erklären

Zum Beispiel: Unser Ziel X können wir nur erreichen wenn wir es in all unseren kleinen und großen Entscheidungen vor Augen haben, man könnte auch sagen: wir haben einen Kompass, der uns unser Ziel X immer anzeigt. Dabei kann es notwendig sein Umwege zu gehen oder sogar umzukehren, weil ein Weg, der so aussah, als würde er uns unserem Ziel näher bringen, uns weiter davon entfehrnt. So in etwa bei ABC wo wir feststellen mussten, dass unser bisheriges Handeln zu DEF geführt hat. Wir haben uns daher entschieden in Zukunft G zu folgen und HIJ einzusetzen. Das wird uns unserem Ziel X näher bringen, denn …

  • oder wird das Bild genutzt um ein Gefühl zu erzeugen, dass durch die Inhalte nicht erzeugt werden kann.

Zum Beispiel: Wir haben einen Kompass nachdem wir handeln. Unsere Ziele sind XYZ, denn das ist das Fundament unserer Firma/Partei/Verein/etc. Wir sind uns unserer Verantwortung bewusst und stellen uns dieser Herausforderung. Wir wissen, dass uns unser klarer Kompass helfen wird Entscheidungen zu treffen. HIJ ist ein wichtiger Meilenstein auf unserem Weg zu XYZ, denn nur wer mutig Entscheidungen trifft, wird das Schiff sicher in den Hafen bringen. usw.

In diesem zweiten Fall wird die eine Entscheidung (HIJ) mit vielen Bildern umpackt. Die verwendeten Bilder erklären nichts sondern verpacken die Aussage, wie ein Geschenkpapier. Es entsteht ein inneres Bild von einem klaren Weg ohne das etwas darüber gesagt wurde, worin dieser Weg besteht. Außerdem vernebeln die vielen Bilder, die nichts erklären, den Verstehensprozess des eigentlichen Inhalts – beständig wird man durch ein Bild abgelenkt.

In solchen Reden wird viel geredet, aber wenig gesagt. Statt Erklärungen und plausible Begründungen werden die Zuhörer mit Bildern belustigt.

Sprache ist nicht dazu da Inhalte vorzutäuschen sondern Inhalte auszudrücken, aber was ist z.B. in folgendem Absatz, den ich auf der CDU-Website  gefunden habe gesagt:

„CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe hat bei der Pressekonferenz nach den Gremiensitzungen der CDU betont, dass vom 24. Parteitag der CDU Deutschlands ein starkes Signal der Stabilität ausgehen werde. „In einer Zeit, die von Zeichen der Unsicherheit geprägt ist, geht ein Zeichen der Stabilität und für einen guten Kurs in Sachen Europa von Leipzig aus“, so Gröhe.“

Worin bestand das gesendete Signal und was war das Zeichen der Stabilität?

Warum werden in dieser Zusammenfassung nur Bilder aufgelistet (Signal der Stabilität, Zeichen der Unsicherheit, Zeichen der Stabilität, guter Kurs in Sachen Europa)?

Man hätte ja auch sagen können:

In dieser Zeit in der viele Arbeitnehmer von ihrem Lohn allein nicht leben können, sind wir mit dem Beschluss zur Lohnuntergrenze einen weiteren Schritt in Richtung unserem Ideal einer sozialen Marktwirtschaft gegangen. Unserer Überzeugung nach führt diese Sicherung eines akzeptablen Lohns zu einer starken Binnennachfrage, die wir als das wirtschaftliche Fundament Deutschlands sehen. Das ist unser Signal an die Arbeitnehmer und Arbeitgeber in Deutschland – die CDU will ein sozial gerechtes und wirtschaftlich gesundes Deutschland/Europa.

Muss man aber nicht.

In diesem Sinne:

  • Achten Sie bei einer bildhaften Sprache darauf, ob die Bilder etwas verdeutlichen oder ablenken.
  • Wenn von Signalen und Zeichen die Rede ist, sollte klar sein, worin das Zeichen oder Signal besteht.
  • Die Verwendung bestimmter Bilder erzeugen bestimmte Gefühle – lassen Sie sich dadurch nicht die Bewertung der Inhalte abnehmen. Sie können selbst entscheiden, ob etwas ein Leuchtturm darstellt oder nicht.

Eine gute Metapher ist austauschbar, denn sie ist nur ein Bild für etwas anderes.

 

 

Muss die deutsche Sprache geschützt werden?

Am Montag (7.11.) wurde im Petitionsausschuss des Bundestages diskuttiert, ob die deutsche Sprache ins Grundgesetz aufgenommen werden soll.

Der Verein Deutscher Sprache hatte dies vorgeschlagen um der deutschen Sprache mehr Bedeutung zukommen zu lassen.

Meiner Meinung nach sollten Gesetze juristische Fragen klären und nicht Bedeutungen zuweisen, aber das kann man auch anders sehen. Viele interessante Meinungen dazu gab es heute im WDR zu hören. Die Sendung gibt es heute abend als Podcast. Hier schon mal der Link auf dem man ihn später finden sollte

http://www.wdr.de/radio/home/podcasts/channelausspielung.phtml?channel=wdr2_arena

Wie ist Ihre Meinung dazu?

Wer ist hier populistisch?

Wenn bestimmte Nachrichten hintereinander gesendet werden, kann dadurch eine ungewollte Komik entstehen.

So heute morgen bei WDR2: Der CDU-Abgeordnete Elmar Brock sprach über „das Nein aus Bratislava“. Es beunruhigt ihn, dass die EU bei wichtigen Fragen von der Meinung unwichtiger Länder abhängig ist. So hat er es nicht ausgedrückt, statt dessen sprach er von Ländern in denen populistische Parteien regieren.

Ist der Satz nicht an sich schon witzig? Welche Länder sollten denn entscheiden, wenn alle, in denen populistische Parteien an der Macht sind, sich enthalten müssen?

Um noch einmal zu unterstreichen wie sich CDU/CSU zum Pupulismus verhält war die nächste Meldung: in der EU will man die Agrarsubventionen gerechter verteilen. Es geht dabei neben einer ökologischen Ausrichtung um eine bessere Verteilung zwischen Ost- und Westeuropa. Der deutsche Bauernverband ist dagegen und (welch Überraschung) Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner ist auch dagegen.

Aber zum Glück ist Berlin im Gegensatz zu Bratislava frei von populistischen Partein 😉

 

 

Elmar Brock auf WDR2

die EU-Vorschläge für Agrarsubventionen

zur Chefsache erklären

Zuletzt habe ich in einem Interview mal wieder den Satz gehört „Wir haben das zur Chefsache erklärt.“

Was heißt das eigentlich?

Es kann eine Floskel sein, die nur die Absicht erklärt, sich darum kümmern zu wollen, bzw. die nur zeigt „Wir haben verstanden, dass es für andere ein Problem ist, also tun wir so als würden wir uns anstrengen es zu lösen.“

Aber selbst wenn es wirklich zur Chefsache wird, muss es nicht zur Lösung des Prbolems kommen.

Man könnte meinen, wenn etwas zur Chefsache wird, gibt es mehr Handlungsmöglichkeiten und weniger Abstimmungsbedarf. Durch die hohe Entscheidungsgewalt ist so eine schnelle Lösung möglich.

Es kann aber auch heißen, das Problem wird „abgestellt“. Es kann der Fachabteilung, die sich mit der Thematik auskennt abgenommen werden um auf dem Schreibtisch des Chefs zu versauern. Die Bedeutung wird anerkannt, aber statt Lösung gibt es nur heiße Luft.

Im Gegensatz zum Arbeitskreis, den man mit der Aufgabe betreut, bleibt man unangreifbar. Der Arbeitskreis müsste sagen, bis wann man was getan haben will. Vom Arbeitskreis erwartet man eine Lösung, sonst wird er wieder aufgelöst, aber vom Chef … Der Chef hat niemanden, der ihm oder ihr Druck macht. Selbst für die Öffentlichkeit ist das Problem mit dieser Floskel so gut wie gelöst und der „Chef“ hat viiiel Zeit über die Lösung nachzudenken.

Eine Erklärung zur Chefsache kann ein Problem schneller lösen, es kann aber auch die Absicht verstecken es überhaupt nicht lösen zu wollen.

Was ist Ihre Meinung dazu?