Allgemein

Ein Beispiel für einen souveränen Auftritt

Politik-Talk-Sendungen gibt es einige, aber es gibt auch Politiker die sich in andere Formate wage. Wie zum Beispiel Wolfgang Kubicki, der letzte Woche nicht nur bei Raab sondern auch bei Oliver Welke in der Heute Show Rede und Antwort stand.

Sehenswert, denn im Gegensatz zum üblichen Politik-Talk ist es nicht unfreiwillig komisch, sondern bewusst komisch und Kibicki zeigt, dass auch ein Politiker Humor haben kann.

Was mich an diesem Auftritt begeistert ist die souveräne Haltung. Er nimmt nichts zurück, was Welke ihm aus Mitschnitten entgegenhält und untermauert damit sein Image als ein Politiker der klaren Worte. Damit trifft er ins Schwarze. Viele (ich auch) haben genug von Politiker-Sprech, von aufgeschäumten Floskeln, die so weich gespült sind, dass sie selbst einer Ameise nicht mehr auf die Füße treten können. Wir wollen keinen gerührten Quark, sondern auch mal eine saftige verbale Ohrfeige. Das macht Politiker wieder greifbarer. Natürlich macht man sich damit nicht nur Freunde, aber „Everybodys darling ist everybodys Depp“ und genau das können wir von Kubickis Auftritt lernen:

Wer sagt, was er/sie denkt und dazu steht wird wahrnehmbar, wirkt authentisch und dadurch überzeugend.

[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=ek3GPUlqZKo]

 

Wir verstehen was wir hören wollen

Was hat das Auge mit dem Verstehen zu tun? Es kann uns ablenken.

Coldmirror lässt und in ihren Misheard-Lyrics nachvollziehen, wie sehr unser Verstehen, von unseren Erwartungen geprägt ist.

Machen Sie doch einfach den Test: Hören Sie sich die erste Minute an ohne hinzuschauen und lesen Sie dann die Missheard-Lyrics mit: Wird wirklich noch dasselbe gesungen?

[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=hoysXf3BQVc]

Falls Sie den Effekt nicht nachvollziehen können, probieren Sie ein anderes Video von Coldmirror aus. Jeder versteht anders und so wird auch jeder anders abgelenkt.

 

PS: Ob es den Freudschen Versprecher gibt, ist nicht sicher, aber ich glaube fest an den Freudschen Verhörer.

Wie testet man eine gute Argumentation?

Eine Argumentation verbindet verschiedene Aspekte als Ursache und Wirkung. Der einfachste Test ist daher: Was ist die Konsequenz? Man spielt es einmal durch.

Hier ein Beispiel, das ich heute gelesen habe:

Im MiGazin (Migration in Germany) wird die „Gesamtanalyse der bundesweiten Serie von Tötungsdelikten an Kleingewerbetreibenden mit Migrationshintergrund“ zitiert, die das Landeskriminalamt Baden-Württemberg 2007 erstellte. Der zuständige Fallanalytiker Udo Haßmann schreibt darin

Vor dem Hintergrund, dass die Tötung von Menschen in unserem Kulturkreis mit einem hohen Tabu belegt ist, ist abzuleiten, dass der Täter hinsichtlich seines Verhaltenssystems weit außerhalb des hiesigen Normen- und Wertesystems verortet ist“.

Daraus schlussfolgert er, dass die Täter „im Ausland aufwuchsen oder immer noch dort leben“.

Die Grundaussage ist durchaus glaubwürdig: Die Tötung eines Menschen widerspricht unseren Normen und Werten, aber die Verknüpfung ist absurd. Denn wenn unsere Normen und Werte ausschließen, dass ein Mörder aus unserem Kulturkreis stammt, dann dürfte es grundsätzlich keine Mörder aus unserem Kulturkreis geben. Jeder Mord müsste auf einen Mörder zurückgehen, der aus einem Kulturkreis stammt, in dem das Töten von Menschen nicht den Werten widerspricht. Wenn es eine derartige Kultur gäbe, wäre sie schnell ausgerottet, aber so weit muss man gar nicht gehen um die Argumentation zu widerlegen. Es gibt Mörder aus unserem Kulturkreis (und es sind gar nicht so wenige).

Was bleibt ist die Frage: Warum ist das 2007 keinem aufgefallen? Dann hätten vielleicht die letzten Morde der NSU verhindert werden können.

 

 

Strategische Kommunikation

Wer ein Ziel erreichen will, braucht eine gute Strategie – so weit, so banal.
Im Zusammenhang mit Kommunikation klingt das für einige Menschen seltsam. Bei Unternehmenskommunikation, also Marketing und PR ist natürlich eine gute Strategie wichtig, aber bei „normalen“ Gesprächen? Wollen wir uns da nicht einfach nur mitteilen?

Ja, manchmal wollen wir uns „einfach nur mitteilen“: Wenn ein Kind geboren wurde, eine wichtige Prüfung bestanden wurde, wenn sich zwei Menschen gefunden haben oder wir knapp einer Katastrophe entkommen sind müssen wir anderen davon erzählen. Wir haben das Gefühl zu platzen, wenn wir nicht sofort jemandem sagen, was uns passiert ist. Zur Not nehmen wir den nächst besten Passanten, denn es geht nicht darum jemanden zu informieren, sondern den Druck loszuwerden. Wir wollen uns mitteilen, bzw. es in die Welt hinaus schreien.

Bei den meisten anderen Gelegenheiten, bei denen wir uns sprachlich äußern, wollen wir etwas bei dem Zuhörer erreichen:

  • Wir machen Smalltalk damit sich ein Gast wohl fühlt und wir uns kennen lernen können.
  • Wir wollen jemanden von unseren Ansichten überzeugen.
  • Wir wollen jemanden für unsere Projekte begeistern.
  • Wir wollen ein Missverständnis aus der Welt schaffen.
  • usw.

All das sind Anliegen, die uns in alltäglichen Gesprächen begegnen. Sie ernst zu nehmen bedeutet sich am Gesprächspartner zu orientieren und nicht am eigenen Mitteilungsbedürfnis. Wenn ich jemanden überzeugen will, reicht es nicht über ein Thema zu reden – ich brauche gute Argumente. Diese Argumente müssen für meinen Gesprächspartner nachvollziehbar sein, sie müssen verstanden werden. Wenn ich ein kommunikatives Ziel verfolge, geht es nicht mehr (nur) darum sich mitzuteilen, es geht nicht ums Reden, es geht darum, was verstanden wird.

Strategische Kommunikation heißt nicht Manipulation, sondern zielgerichtet kommunizieren. Strategische Kommunikation heißt im Gesprächspartner nicht nur ein offenes Ohr zu sehen, sondern ihn, bzw. sie, ernst zu nehmen. Strategische Kommunikation heißt sich gemeinsam auf den Weg zu machen, denn Verständigung ist ein gemeinsamer Prozess.

Wie Sie diese Strategie entwickeln und umsetzen – das lernen Sie in meinen Seminaren und Trainings.

Und natürlich wird es auch hier im Blog immer mal wieder Tipps geben, wie Sie eine Kommunikationsstrategie entwickeln und umsetzen.

Wunderwerk Stimme

Die menschliche Stimme ist etwas wunderbares. Sie ist ein wesentliches Element der Kommunikation, aber zur Kommunikation gehört weit mehr und die Zeichensprache der Gehörlosen zeigt uns, dass es auch ohne geht. Was nicht ohne Stimme geht ist Gesang und obwohl wir seit dem Kindergarten singen, übersieht man schnell, welche Ausdrucksform die Stimme haben kann.

Ein grandioses Beispiel, was die menschliche Stimme, kann sehen Sie hier:

[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=hOKuAigsrec&feature=relmfu]

Diese Stimmen sind nicht nur beeindruckend, sondern auch individuell. Jeder Mensch hat seine Stimme. Angenehm für Sprecher/Sänger und Zuhörer ist es wenn sich jemand im Umfang seiner Tonhöhe bewegt und wenn sie oder er den eigenen Resonanz-Raum optimal nutzt. Dann ist die Stimme nie zu leise oder zu laut, sie kratzt nicht (nicht im Ohr und nicht im Hals), sie ist auch nicht zu hoch oder tief, sondern passend zum Menschen. Die 5 von Pentatonix haben das umgesetzt und optimal kombiniert.

Die Kombination von Stimmen ist bei a capella wesentlich, kann aber auch in anderen Kontexten nützlich sein. Wenn Sie eine Präsentation halten, bringen unterschiedliche Stimmen Abwechslung. Noch besser, wenn jede Stimme, also jede Person ein bestimmtes Thema oder eine bestimmte Position vertritt. Welche Kombination, wie viele Sprecherwechsel und welche Aufteilung sinnvoll ist, ist von vielen Faktoren abhängig: Wie viele verschiedene Stimmen haben Sie? Wie viele Themen oder Positionen haben Sie? Wie viel Zeit haben Sie für die Präsentation?

Ein Beispiel:

Nehmen wir an, Sie sind zu dritt und sollen Führungskräften anderer Abteilung ihr aktuelles Projekt vorstellen. Dazu haben Sie eine Stunde Zeit, damit Sie noch Fragen beantworten können, sollten Sie nicht mehr als 45 Minuten verplanen. Damit die Zuhörer immer wissen, worum es gerade geht, ist ein Moderator sinnvoll. Er oder sie begrüßt, stellt das Team und den „Ablaufplan“ der Präsentation vor. Hier geht es nicht um einen klassischen Moderator, sondern die Verantwortung für den Ablauf und damit für den Rahmen der Präsentation. Diese Stimme steht für Struktur. Zur Struktur gehört auch das Ziel des Projekt-Teams und wie der aktuelle Stand ist.

Die anderen beiden Stimmen stehen für inhaltliche Aspekte. Einer für die Zahlen und einer für die nicht messbaren Faktoren oder einer für das was war und einer für das was sein wird oder einer für die Funktion und einer für die Wirkung.

Bei Fragen der Zuhörer ist somit auch klar, wer welche Frage beantwortet. Wenn Sie die Stimmen eindeutig verteilen, werden die Fragen auch gezielt an diese Personen gerichtet werden. Die Zuhörer haben durch die Aufteilung eine zusätzliche Struktur, die sie unbewusst aufnehmen und die ihnen hilft sich auf die Inhalte zu konzentrieren.

 

Wenn Sie wissen wollen, wie so eine Stimmaufteilung bei Ihrem Team in Ihrer nächsten Präsentation aussehen könnte und womit Sie welche Wirkung erzielen – sprechen Sie mich an 0221 20 424 750 oder info@die-sprachstrategin.de
Natürlich helfe ich auch gerne mit Sprechtraining, wenn es um den Klang und die Lautstärke Ihrer Stimme geht.

Klarmachen zum Ändern – der Wahlkampf der Piraten

Die Piraten nutzen ihre 2 Seiten im Kölner Stadtteilmagazin „Stadtgespräch“ um ihre ernsthaften politischen Ansichten darzustellen. Dabei werden zunächst die Gründungsthemen genannt: Kampf gegen Internetzensur, für Datenschutz und Transparenz. Es wird auf die Erfolge in Berlin und Saarland verwiesen und betont, dass man sich inzwischen auch mit anderen Themen beschäftigt habe, so zum Beispiel mit Bildungs- und Verbraucherschutzpolitik, mit Umwelt und Energie, Bürgerbeteiligung und eine neue Drogenpolitik.

Da melden sich sofort meine Vorurteile gegen Computer-Freaks. Wahrscheinlich nicht nur bei mir – deshalb begründen sie ihre Position: „Die NRW-Piraten fragen, weshalb wenig sucht- und gesundheitsgefährdende Stoffe verboten bleiben, während Alkohol und Pharmaprodukte mit hohem Suchtpotential gesellschaftlich akzeptiert werden. Ihr Lösungsvorschlag: eine rein objektive Bewertung und Handhabung aller psychoakiven Substanzen allein anhand ihres Gefahrenpotentials.“ Wenn junge Menschen eine „neue Drogenpolitik“ fordern, ist es ratsam diese Forderung mit plausiblen Argumenten zu begründen. Die Begründung der Piraten greift dabei das Vorurteil auf, indem sie deutlich machen: es gibt nicht nur Vorurteile gegen uns, es gibt auch Vorurteile gegen Drogen und zwar verharmlosende Vorurteile gegen Alkohol und Medikamente, für die öffentlich Werbung gemacht werden darf. Ist es da nicht an der Zeit für eine vorurteilsfreie Politik?

Beim Thema Energie-Politik gibt es zunächst den „Schlagwort-Sammel-Satz“:

„In Schen zukunftssichere Energiewirtschaft setzen sich die NRW-Piraten für einen Energieplan auf Landesebene ein, der die Ziele der Nachhaltigkeit, Effizienz und Versorgungssicherheit unter den Aspekten der Umweltverträglichkeit und gesellschaftlichen Akzeptanz verfolgt.“

Wie Sie sehen, können auch die Piraten inzwischen fehlerloses Politikersprech. Mit positiven unklaren Begriffen kann man einen Satz so vollstopfen, dass es nach Konzept klingt. Dieser Satz könnte ebenso von der CDU, FDP, SPD oder von den Grünen kommen. Alle wollen Zukunft und Sicherheit, Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit, Versorgungssicherheit und gesselschaftliche Akzeptanz.

Die Piraten lassen es aber glücklicherweise nicht bei diesem Satz, sondern konkretisieren ihn mit klaren Positionen: Sie treten für den Atomausstieg und gegen Fracking ein. Das belegen sie mit dem von ihnen organisierten Aktionstag im März gegen Fracking, ihren Informationsständen, und auch im Artikel erklären sie nochmal kurz das Verfahren und warum sie dagegen sind.

So sieht eine klare Position aus!

Auch bei der Lokalpolitik werden sie konkret: Sie wollen das Siedlungsprojekt im Waldbadviertel verhindern. Begründet wird diese Forderung mit dem daneben gelegenen und kürzlich geschlossenen Schießplatz. Auf diesem Schießplatz wurde jahrelang mit Bleischrot geschossen. Dieser verursacht feinen Bleistaub, der wenn er aufgewirbelt und eingeatmet wird, äußerst ungesund ist. Die Piraten verweisen dabei auf die Erfahrungen mit anderen geschlossenen Schießplätzen

„Es gibt keinen ehemaligen Schießplatz in der Bundesrepublik, der nach jahrzehntelanger Nutzung nicht kontaminiert wäre. Alle bisherigen Studien des Bundes und der Länder untermauern diese Feststellung. Die im Durchschnitt ermittelten Bleiwerte der Böden übersteigen die gesetzlich zugelassenen Höchstwerte oft um das 20 bis 30-fache.“

Und direkt neben diesem Gelände will die von der Stadt kontrollierte GAG Immobilien AG ein Wohnviertel für 640 Familien bauen.

Das ist eine sehr gute Argumentation, wobei sie meiner Ansicht nach die Sachen noch besser verbinden könnte: Der kontaminierte Schießplatz befindet sich schließlich „nur“ nebenan. Staub hält sich selten an Grundstücksgrenzen und es braucht nicht viel um Staub aufzuwirbeln, aber diese Verbindung von dem Staub auf dem Schießplatz zu den Atemwegen der Menschen in der Nachbarschaft fehlt.

Es gibt noch ein paar lokalpolitische Themen, die sie ansprechen, aber ohne näher darauf einzugehen.

Eine Sache möchte ich noch erwähnen, die mir hier aufgefalen ist und die eigentlich selbstverständlich sein sollte: Im letzten Absatz geht es nicht um die Wahl sondern um weitere Informationen. Jeder ist eingeladen sich bei den Stammtischen die politischen Ideen anzuhören und mitzureden. Für alle öffentichen Termine und weitere Informationen wird auf die Website verwiesen. Keine andere Partei hat ihre Website oder Stammtische oder sonstige Veranstaltungen auch nur erwähnt. Ich gehe davon aus, dass sie alle Websites haben und das ich diese auch finden werde, aber sie ans Ende des Textes zu schreiben finde ich einen guten Service.

Daher hier auch von mir: Wer sich die Ideen, Konzepte und Positionen der Piraten im Original anschauen möchte www.piratenpartei-koeln.de Dieser Artikel bezieht sich wie die vorherigen nur auf die beiden Seiten im Stadtteilmagazin „Stadtgespräch“ und ist meine Meinung zu dem was ich gelesen habe.

Ich hätte gerne auch etwas von der SPD gelesen, aber die Genossen scheinen sich dieses Jahr auf Bescheidenheit oder Sparsamkeit zu besinnen – trotz samstäglichem Stadtbummel habe ich keinen Infostand gesehen. Ich habe nichts schriftliches in die Finger bekommen können. Wenn jemand etwas hat (Flyer, Wahlzeitung, Wahlprogramm usw.) bitte melden.

 

Kinder, Klima und Kommunen – der Wahlkampf der Grünen

Wie die FDP nutzen auch die Grünen das Stadtteilmagazin „Stadtgespräch“ um auf einer Seite ihre Themen im Wahlkampf darzustellen.

Während die FDP ihren Artikel mit Fotos von Kindern und Musikern aufhübscht, zeigen die Grünen ihre Sympatisanten auf einer Fahrrad-Demo. Ziel ist dassebe: wer zur Zielgruppe gehört wird angesprochen und ein zentrales Thema wird von mehreren Seiten gezeigt – Fahrrad statt Auto und aktive Beteiligung.

Im Text wird zunächst auf die bisherige Regierungsarbeit mit der SPD verwiesen. Dabei wird klar benannt, für welche Veränderungen sich die Partei verantwortlich fühlt:

  • Abschaffung der Studiengebühren
  • Einführung eines Sozialtickets
  • Einführung der Sekundarschule
  • Modernisierung der Energie- und Verkehrspolitik
  • das Integrationsgesetz
  • Einführung eines islamischen Religionsunterichtes
  • Verbesserungen für Kitas
  • Stärkung der Kommunen

Worin diese Verbesserung der Kitas und die Stärkung der Kommunen besteht, wird nicht ausgeführt. Hier geht es auch nicht um Konkretisierung sondern um Grundüberzeugungen und darum, an die letzten Wahlversprechen und deren Einlösung zu erinnern. Dadurch wird glaubwürdig, dass die nun zu nennenden Vorhaben für die nächsten Jahre ebenfalls umgesetzt werden.

Die Grundüberzeugung wird mit den Begriffen „modern“ und „weltoffen“ abgerundet. Diese Aussagen werden Personen zugeordnet, aber liebe Grüne, ich lebe nicht in einem Wahlkreis, sondern in einem Veedel. Es wäre daher nett, wenn an den Fotos und Namen im Text nicht nur Wahlkreisnummern sondern Veedel stehen würden oder zeigt sich hier ein Denkmuster, in dem Bürger nur als Wähler auftauchen, also als Menschen die anderen Menschen zu Macht verhelfen können/sollen?

Für den aktuellen Wahlkampf haben sich die Grünen, laut diesem Text, für die drei Kerntehmen Kinder, Klima und Kommunen entschieden. Sind das die Themen des Wahlkampfs oder sollen es die Themen der nächsten Regierungsperiode werden? Ist das Politikersprech aus Gewohnheit oder geht es auch den Grünen inzwischen mehr ums Gewinnen als ums Gestalten?

Zurück zu den drei Kernthemen, die lokal konkretisiert werden:

„Im Kernthema Kinder setzen sie auf die Einführung eines inklusiven Bildungssystems.“ Diese Forderung wird damit begründet, dass dies allen Kindern und Jugendlichen, unabhängig von ihrer Herkunft Chancen- und Bildungsgerechtigkeit garantieren könne. Wie dieses inklusive Bildungssystem aussehen soll, wird nicht ausgeführt, es wird aber erwähnt, dass die frühkindliche Bildung dazugehört, die bereits angegangen wurde.

Das Thema Kommunen betrifft vor allem deren Finanzsituation. Die soll durch eine Erhöhung des Spitzensteuersatzes, eine Einführung der Erbschaftssteuer und einer effektiven Besteuerung hoher Vermögen verbessert werden. Im Gegensatz zur CDU stellen die Grünen damit klar, woher sie das Geld, das gebraucht wird, nehmen wollen.

Desweiteren setzen sich die Grünen für besseren Lärmschutz an Autobahnen ein – was wahrscheinlich zum weitgefassten Klima-Begriff gehört. Im engeren Sinne heißt Klima für die Grünen eine Nahverkehrsverbindung zwischen Rhein und Ruhr sowie mehr Mittel für den Radwegebau. Das weniger Autoverkehr (und mehr Bahn- und Radverkehr) die CO²-Bilanz verbessert, wird als allgemein bekannt angenommen und nicht als Begründung mit angegeben.

Zum Schluss gehen die Grünen noch auf ihren Kampf gegen Rechtsradikalismus ein. In Köln werden aus diesem Grund zwei spezialisierte Beratungsstellen, die psychologische und juristische Beratung, lokale Intervention und Öffentlichkeitsarbeit durchführen, unterstützt. Auch hier ist der Zusammenhang so klar, dass es keine Begründung braucht, warum dies den Kampf gegen Rechtsradeikalusmus unterstützt. Nur wie die Unterstützung aussieht, wird nicht gesagt.

Fazit: Die Grünen haben Argumente und damit Begründungen für ihre politischen Forderungen, die über „ich will gewählt werden“ hinausgehen. Es wird zwar konkretisiert, aber dabei auch vieles offen gelassen. Vielleicht werde ich doch das Wahlprogramm lesen. Nach den nun endlich gefundenen Argumenten freue ich mich auf die nächste Analyse, dann sind die Piraten an der Reihe.

 

Diese Analyse bezieht sich NUR auf die Seite im “Stadtgespräch” und nicht auf das Parteiprogramm. Es ist meine persönliche Meinung über das, was ich gelesen habe.

Wofür steht die FDP? – der Wahlkampf der FDP

Auch die Kölner FDP stellt sich im Stadtteilmagazin „Stadtgespräch“ vor. Wenig Text, viele Aussagen, ein Foto mit ordentlich angezogenen fröhlichen Kindern und ein Foto eines klassischen Konzerts (was die mit der FDP zu tun haben, werden wir noch sehen) und allen Direktkandidaten.

Bei den Direktkandidaten fällt ein positiver Aspekt der CDU-Seiten auf, den ich dort nicht wahrgenommen habe, weil er so selbstverständlich ist: Die CDU schreibt an die vorgestellten Kandidaten für welche Viertel sie antreten. FDP, Grüne und Piraten gehen davon aus, dass die Leser wissen in welchem Wahlkreis sie wohnen.

Aber hier soll es nicht um die Bilder, sondern um den Text gehen.

Die FDP fängt nicht mit ihren Grundüberzeugungen oder Hauptthemen des Wahlkampfes an, sondern mit einer Person: Yvonne Gebauer wird mit Daten aus ihrem Privat- und Berufsleben vorgestellt. Die erste politische Aussage kommt folglich von Yvonne Gebauer „Ich stehe für eine Bildungspolitik, die nicht nur das Wissen sondern auch die Persönlichkeitsbildung mit umfasst. Eine bessere Ausbildung unserer Kinder greift nur dann, wenn sie diese auch im Leben umsetzen können.“

Hier werden Grundüberzeugungen angesprochen, die wahrscheinlich bei vielen Menschen auf fruchtbaren Boden fallen, wie man sich die Umsetzung vorstellt, wird aber offen gelassen.

Auch der Kölner Kreisvorsitzende Hans H. Stein betont die Grundüberzeugungen und Themen der Partei: Freiheit, Toleranz und Weltoffenheit. Das diese Themen neben Steuersenkungen der FDP wichtig sind, konnte man in den letzten Jahren auch übersehen haben. Wirtschaftlich heißt die Grundrichtung „Eintreten für eine soziale Marktwirtschaft mit Wettbewerb und klaren vom Staat kontrollierten Regeln für alle“

Der zweite Teil des Textes beschäftigt sich mit konkreten Vorhaben für Köln:

  • besserer Schutz von Hauseigentümern vor Vandalismus durch eine Verschärfung des Strafgesetzbuches in Sachen Grafiti, eine Abteilung im Ordnungsamt, die sich um diese Anliegen kümmert und mehr Flächen, auf denen Graffiti ausdrücklich erlaubt ist.
  • eine Bestandsaufnahme von Unterführungen und Gehwegen, in denen es an Beleuchtung fehlt und die Wiedereinführung des Straßenbahnschaffners in Abend- und Nachtstunden
  • Museen in rechtlich selbsttändige Einrichtungen umwandeln

Diese Vorhaben werden argumentativ nicht begründet, aber zumindest konkretisiert (man wird genügsam, wenn man sich mit Politik beschäftigt).

Neben der Konkretisierung geht es auch in diesen Abschnitten um Grundüberzeugungen, bzw. um die Zielgruppe der FDP. Es geht um Hauseigentümer, Menschen, die sich um sich und ihren Besitz sorgen und Menschen die ins Museum und ins klassische Konzert gehen (das wir auf einem Bild sehen, obwohl es im ganzen Text nicht um Orchester geht).

Wer dazu gehört, wird beim Lesen daran erinnert, wofür die FDP mal stand und wofür sie wieder stehen will. Dadurch können sie vermutlich ehemalige Wähler zurückgewinnen, wenn diese bereit sind über die auf die Zukunft gerichteten Absichten, die Vergangenheit zu vergessen.

 

Und mir wird klar, dass mein Anliegen, die Argumente der Parteien zu analyisieren, schwieriger ist, als gedacht. Ich finde so selten Argumente. Dennoch werde ich mit der rhetorischen Analyse fortfahren. Morgen geht es um die Grünen

 

Diese Analyse bezieht sich NUR auf die Seite im “Stadtgespräch” und nicht auf das Parteiprogramm. Es ist meine persönliche Meinung über das, was ich gelesen habe.

„Das bisschen Haushalt“ – der Wahlkampf der CDU

Auf zwei Seiten im Kölner Stadtteilmagazin „Stadtgespräch“ stellt sich die Kölner CDU selbst vor. Ich dachte, ich erfahre hier, warum ich diese Partei wählen sollte. Gelesen habe ich statt dessen, warum ich die CDU nicht wählen werde.

Titel und Thema des Artikels ist „Schulden lösen keine Probleme, Schulden sind das Problem“ Das Scheitern der Rot-Grünen-Regierung am Landeshaushalt ist der Aufhänger, denn darin läge die Chance sich „als Partei der nachhaltigen Haushaltspolitik zu empfehlen“. Bernd Petelkau, Vorsitzender der CDU Köln bringt es auf den Punkt mit „Rot-Grün hat nicht die Kraft, den Haushalt zu konsolidieren.“ Ein typischer Politiker-Satz, der nicht auffällt, aber auffallen sollte. Hier wird bewusst das Wort „Kraft“ verwendet. Der Regierung wird nicht vorgeworfen keine Konzepte zur Haushaltskonsolidierung zu haben, sondern sich nicht durchsetzen zu können, weil sie zu wenig Stimmen haben. Das Wort „Kraft“ suggeriert, dass es ihnen an innerer Kraft mangelt, wie es einem Menschen an Muskelkraft mangeln kann. Es geht hier aber nicht um Stärke im Sinne von persönlicher Stärke, sondern um Stimmen bei einer Abstimmung und davon hatte die CDU als Opposition auch nicht genug. Es handelt sich hierbei also nicht um ein Argument gegen den Haushaltsplan der Regierung, sondern um eine leicht manipulative Aussage mit wenig Inhalt.

In dem Text geht es zum Glück nicht nur darum, was die anderen falsch gemacht haben, sondern darum, was man selbst besser machen will. Man würde jetzt ein Konzept, ein Plan oder zumindest eine Idee erwarten, wie die angepriesene „sparsame Haushaltsführung“ aussehen soll, stattdessen geht es um Möglichkeiten Geld auszugeben:

Serap Güler will den Ausbau der U3 Plätze vorantreiben. Ursula Heinen-Esser will die bedarfsgerechte Erweiterung der Fachhochschule und den Ausbau des Bahnknotens. Julius Knappertsbusch will eine nachhaltige Wirtschaftsförderung, Schallschutz für die Anwohner des Flughafens und ebenfalls mehr Kinderbetreuungenseinrichtungen, mehr Sprachbildung und schulische Förderung. Dr. Martin Schoser will insgesamt das Bildungs- und Forschungsangebot weiter ausbauen, schließt sich der Forderung nach mehr Kindertagesstätten an und will die Familienzentren weiterentwickeln (und ausbauen). Und wo soll jetzt gespart werden?

Oder hat die CDU vielleicht eine geheime Methode entwickelt, wie sich durch Geld ausgeben Geld sparen lässt? Vielleicht sollte ich Mitglied werden um diese Technik zu lernen und dann auf zum Shopping, aber ich will mich nicht ablenken lassen. Zwischenfazit: Schulden sollen abgebaut werden, aber wo und wie gespart werden soll, wird nicht verraten.

Wenn schon keine Konzepte zum Sparen, gibt es vielleicht Argumente zum Geld ausgeben – und die gibt es tatsächlich:

Der Ausbau der U3 Plätze wird damit begründet, dass es viele Kinder und wenig Betreuungsmöglichkeiten gibt. Bekräftigt wird die Forderung durch den Verweis auf den Rechtsanspruch ab 2013.

Ja, das ist nachvollziehbar.

Der Schallschutz am Flughafen braucht keine Begründung, die Betroffenen hören jeden Tag die Begründung durch Fenster und Wände hindurch.

Bei den anderen Forderungen wären Begründungen schön, aber warum sollten sich Politiker damit aufhalten, ihre Ausgaben zu rechtfertigen? Irgendwem kommt das Geld zu Gute und diejenigen werden sich darüber freuen. Wer nichts bekommt freut sich über Aussagen wie „Vor allem will ich für ein NRW arbeiten, das unseren Kindern geordnete Landesfinanzen hinterlässt und keinen unsoliden Haushalt mit überbordenden Schulden.“ (Ursula Heinen-Esser) Solche Aussagen lassen mich hoffen, dass es einen Plan zur Haushaltskonsolidierung gibt, auch wenn die konkreten Sparvorhaben hier nicht aufgeführt werden.

Es sind nicht die einzigen Aspekte die angesprochen werden und dann doch im Ungefähren bleiben. So will sich Serap Güler dafür einsetzen, dass ältere Menschen stärker berücksichtigt werden, Julius Knappertsbusch will starke Zentren zur Verbesserung der Lebensbedingungen. Was ist ein „starkes Zentrum“? Nun, das bleibt der Phantasie des Lesers überlassen …

Noch unklarer ist Andrea Verpoorten, die sich mit vielen kleinen Schritten für die Verbesserung der Lebenssituation im Kölner Süden einsetzen will.

Wahrscheinlich weiß Andrea Verpoorten auch, welche Verbesserungen sich die Menschen im Kölner Süden wünschen, bzw. welche Sparvorschläge die Bürger haben, denn sie spricht mit den Menschen. Sie erzählt in einem kleinen Artikel, dass sie wieder unterwegs ist um mit den Menschen zu sprechen, denn „Wer sich für Menschen einsetzen will, der muss wissen, was die Menschen bewegt, er muss sehen, wie sie wohnen, er muss zuhören.“ Da haben Sie Recht. Aber liebe Frau Verpoorten, warum sagen Sie dann, dass Sie das immer vor den Wahlen machen (jetzt und 2010)? Hatten die Menschen in den Jahren dazwischen nichts zu sagen oder warum wollen Sie immer nur, wenn Wahlen anstehen, mit den Bürgern reden?

Was ist von einer Partei zu erwarten, deren Ziel es ist Geld zu sparen, die aber anstatt davon zu reden, wo gespart werden soll, lieber von weiteren Ausgaben spricht? Was ist von einer Partei zu erwarten, die ihre Ausgabenwünsche nur auflistet, statt sie zu begründen? Was ist von einer Partei zu erwarten, die stolz darauf ist sich vor einer Wahl an die Bürger zu erinnern, die sie wählen sollten?

Sollte es doch noch gute Gründe für die CDU geben, würde ich mich freuen, sie zu erfahren.

 

Diese Analyse bezieht sich NUR auf die zwei Seiten im „Stadtgespräch“ und nicht auf das Parteiprogramm. Es ist meine persönliche Meinung über das, was ich gelesen habe.

Und Morgen geht es um die FDP.

Argumente im Wahlkampf

Es ist Wahlkampf in NRW.

Auf meiner täglichen Radstrecke sehe ich von fast allen Parteien große und kleine Plakate, aber ich sehe nur wenig klare Positionen und noch weniger Argumente, dafür lustige Sprüche und Köpfe. Nun möchte ich weder die lustigste noch die schönste Partei wählen und eigentlich möchte ich mich auch nicht durch die langen (und selten leserfreundlich gestalteten) Parteiprogramme lesen.

Zum Glück fiel mir das Stadtteilmagazin „Stadtgespräch“ in die Hände. Darin stellen sich CDU, FDP, Grüne und Piraten ausführlich vor. Das heißt nicht, dass ich hier klare Konzepte und Argumente finde. (Eine genaue Analyse in den nächsten Artikeln. Den Anfang macht die CDU „Das bisschen Haushalt“.)

Also, liebe Politiker: bitte gebt mir Gründe, warum ich euch wählen soll.

Da ja Wahlkampf ist, hat wahrscheinlich kein Politiker Zeit mir diese Gründe zu geben – aber vielleicht Sie? Haben Sie sich schon entschieden, welche Partei Sie am 13. wählen? Oder wissen Sie schon, wen Sie auf keinen Fall wählen?

Vielleicht wollen Sie mir und anderen Lesern bei der Entscheidung helfen.

Ich freue mich auf Ihre Kommentare, Ihre Gründe eine bestimmte Partei zu wählen oder nicht zu wählen und Ihre Meinung zum Wahlkampf an sich.