Kann man Argumentation trainieren?

Zuletzt sprach ich mit jemandem über Argumentationstraining und sah in verwunderte Augen: Wie kann man denn Argumentation trainieren, wo man doch in jeder Diskussion ganz andere Argumente braucht?

Man kann ja auch Ballsportarten trainieren, obwohl es im Spiel darum geht auf den Ball, der gerade kommt, zu reagieren. Ein guter Fußballer braucht eine gute Kondition, muss den Ball gut kontrollieren können und schnell auf die aktuelle Situation reagieren.

Und bei einer Diskussion? Da gilt es schnell das Überzeugende an der eigenen Meinung herauszustellen, sie für andere nachvollziehbar zu machen. Es geht darum in der Gegenargumentation die Schwachstelle zu finden, wie ein Fußballer schnell erkennt wo man die Verteidigung des Gegners am besten durchbrechen kann.

Wer regelmäßig trainiert, findet schneller überzeugende Argumente und weiß diese nachvollziehbar aufzubauen. Wer regelmäßig trainiert kann schnell die Schwachstellen der Gegenseite erkennen. Wer regelmäßig trainiert erkennt auch die Schwachstellen der eigenen Argumentation, so kann man seine eigene Argumentation im Vorfeld wasserdicht machen, vor allem aber hilft es die eigene Überzeugung zu finden und zu konkretisieren.

Wer regelmäßig trainiert, dessen Gehirn liefert schneller schlagfertige Antworten, der lässt sich nicht mehr so leicht aus dem Konzept bringen, dem fällt immer noch ein weiteres Argument ein.

Bisher waren das alles Gründe um zu überzeugen. Es geht uns aber selten darum, wie in Schopenhauers eristischen Dialektik „so zu disputiren, daß man Recht behält, also per fas et nefas [mit Recht wie im Unrecht]“, sondern meist darum, die eigenen Ansichten nachvollziehbar darzustellen um dann eine Lösung zu finden, die für alle tragbar ist.

Gerade hier ist es wichtig, nicht nur nach einem Bauchgefühl für oder gegen etwas zu sein, sondern zu erkennen, was und warum man diese oder jene Lösung bevorzugt, was einen an dieser oder jener Lösung behagt und natürlich, was einen selbst überzeugt hat. Wer sich mit Argumentation beschäftigt, lernt die eigene Meinung zu hinterfragen, wie einen Diskussions-Gegner. Das Ergebnis sind begründetete Meinungen, die dadurch für andere nachvollziehbar gemacht werden können.

Ja, man kann Argumentation trainieren und wenn man auf konkrete Situationen schnell und zielsicher reagieren will, dann braucht man auch ein gutes Training.

Diese Trainingsmöglichkeit gibt es jetzt auch bei der Sprachstrategin: an jedem 3. Montag im Monat gibt es zwei Stunden Diskussions- und Moderationstraining.

Wer erst mal verstehen will, wie Argumentation funktioniert, der kann am 12. April in der Sprechstunde in das Thema schnuppern oder am 28. April im Sprechtag intensiv in das Thema eintauchen, üben, verstehen und trainieren.

 

Das Schopenhauer Zitat ist aus:

Schopenhauer, Arthur: Eristische Dialektik oder Die Kunst, Recht zu behalten. In 38 Kunstgriffen dargestellt. Haffmans Verlag 1983, Zürich

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