Wofür brauchen wir Rhetorik?

Heute habe ich folgendes lesenswerte Kommentar über die neue Rechte in den USA und Europa gelesen:

http://www.tagesanzeiger.ch/ausland/amerika/Der-rechte-Abschied-von-der-Politik/story/22710602

Die Rechten, so Constantin Seibt in diesem Artikel, feierten Erfolge aus den Problemen, die sie selbst verursacht haben. Ihre Argumente sind einfach und eingängig, ihre Taten … Es gibt keine Taten. Es gibt auch keine Politik, es gibt nur einen immerwährenden Wahlkampf. Im Wahlkampf zählen einfache Argumente, die man im Vorbeigehen versteht. Dennoch fragt sich Seibt:

„Warum sind die Rechten in Europa und den USA so erfolgreich? Warum mit einem Programm, das weder funktioniert, noch für den Mittelstand – bei Licht besehen – lukrativ ist?“

Die Antwort ist so einfach, wie die einfachen Argumente der Rechten:

„Schnelligkeit ist die Waffe derer, die lange nachgedacht haben. Aber auch die Waffe derer, die nie nachgedacht haben.“

Man kann die neue Rechte verstehen ohne nachzudenken, denn die Argumente scheinen, als habe man auch bei deren Formulierung nicht nachgedacht. Sie kommen schnell und verschwinden schnell im Gewühl allgemeiner Überzeugen.

Es sind Scheinargumente, die allgemeine Aussagen verknüpfen, aber nichts begründen. Sie lassen sich nicht hinterfragen, weil es kein „dahinter“ gibt. Dadurch wirken die Fragen, wie das verleugnen von allgemeinen Wahrheiten, wie interlektuelles Blabla. Es macht sie unangreifbar im Meer des Populismus.

Das muss nicht so sein. Jeder normal-intelligente Mensch kann die rhetorischen Grundlagen der Argumentation lernen und dadurch diese Scheinargumente als solche erkennen. Wer gelernt hat in logischen Verknüpfungen zu argumentieren braucht keine vorgekauten absurden Verknüpfungen von Belanglosigkeiten und Allgemeinheiten.

Rhetorik ist nicht die Kunst der Manipulation, des Verkaufens oder eine Freizeit-Veranstaltung für gestresste Manager. Es ist eine Methode um Meinungen nachvollziehbar zu begründen und Überzeugungen zu hinterfragen. Eine ernsthafte Debatte zeigt Möglichkeiten und wägt die negativen Konsequenzen ab. Sie mag anstrengder sein als populistisches Geschwätz, aber es ist eine der wenigen Möglichkeiten im nichtmessbaren, im zukunftsgerichteten Feld der Politik zu vernünftigen Entscheidungen zu kommen.

Es wäre schön, wenn auch Politiker sich daran wieder erinnern würden. Vielleicht würde Politik dadurch wieder langsamer und langweiliger werden, aber wäre das nicht eine akzeptable Konsequenz?